anaAnalgetika – medikamentöse Schmerztherapie im Vergleich

Auf dem Markt befindliche Nichtopioid-Analgetika unterscheiden sich nicht nur durch unterschiedlich ausgeprägte analgetische (schmerzlindernde) Wirkung, sondern auch in ihrer häufig vorhandenen antipyretischen (fiebersenkenden) und antiphlogistischen (entzündungshemmenden) Wirkung. Welche dieser drei Wirkungen erwünscht ist, wird neben der Berücksichtigung von Nebenwirkungen (z.B. Hemmung der Thrombo­zytenaggregation) entscheidend für die Auswahl des Analgetikums sein. Dieser Beitrag stellt die wesentlichen Unterschiede dar.

Wirkstoff analget. antipyr. antiphl. TAH weitere Wirkungen Altersfreigabe
Acetylsalicylsäure ++ ++ + (ab 2g) +++ (ab 30mg) nicht unter 18 J. (Reye-Syndrom)
Ibuprofen +++ +++ ++ + leicht spasmolytisch nicht unter 6 Mon. (keine Erf.)
Diclofenac +++ +++ +++ + (ab 200mg) nicht unter 15 J. (keine Erf.)
Paracetamol ++ ++ O O
Metamizol (Rp) +++++ +++++ + ++ spasmolytisch nicht unter 3 Mon. (keine Erf.)

analget. = analgetisch (schmerzlindernd), antipyr. = antipyretisch (fiebersenkend)
antiphl. = antiphlogistisch (entzündungshemmend), spasmolytisch = krampflösend
TAH = Thrombozytenaggregationshemmung (Hemmung der Funktion der Blutplättchen bei der Blutgerinnung)
Rp = verschreibungspflichtig

Die unterschiedlichen Wirkungsprofile erklären sich durch die verschiedenen Wirkmechanismen der Stoffe. So hat die eine Hemmung der Cyclooxygenase-1 (Cox-1) Einfluss auf die Thrombozytenaggregation sowie Regeneration der Magenschleimhaut. Eine Cox-2 Hemmung hingegen beeinflusst Entzündungsreaktionen, Schmerzen und Fieber direkt am Ort der Entstehung. Alle vorgenannten Wirkstoffe haben hemmende Wirkung auf Cox-1 und/oder Cox-2. Bei Paracetamol und Metamizol sind jedoch zusätzlich auch andere Mechanismen für die Wirkungen verantwortlich (Paracetamol: Wirkung auf Schmerzweiterleitung im Rückenmark und Schmerzverarbeitung im Gehirn; Metamizol: Wirkungen im Gehirn).

Häufigste Nebenwirkung aller sauren Cox-1-Hemmer (dies sind unter den vorgenannten: Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Diclofenac) sind Magen-/Darmbeschwerden. Dies ist zum einen bedingt durch die Hemmung der zur Regeneration der Magenschleimhaut benötigten Cox-1, zum anderen dadurch, dass es sich bei den Wirkstoffen um Säuren handelt. Zur Behandlung von Magenschmerzen oder bei bestehenden Magen-/Darmerkrankungen verbieten sich diese Wirkstoffe daher ausdrücklich.

Hervorzuheben ist das Risiko von irreversiblen Leberschäden mit letalem Ausgang bei Überdosierung von Paracetamol ab bereits 7g (bei Erwachsenen). Teilweise wird schon bei einer Tagesdosis von 4g über Leberschäden berichtet. Aufgrund der Doppelbelastung der Leber sollte insbesondere Paracetamol nicht mit Alkohol kombiniert werden. Diese Hepatotoxizität war auch Grund für die Einführung der Verschreibungspflicht für Paracetamol in Packungsgrößen mit über 10g Gesamtwirkstoffgehalt im April 2009.

Wirkstoffe mit Hemmung der Thrombozytenaggregation (TAH) eignen sich naturgemäß nicht zur Behandlung bei bestehender Blutungsneigung oder vor/nach Operationen. Besonders hervorzuheben ist diese Wirkung der Acetylsalicylsäure, da diese hier schon in geringer Dosis sehr ausgeprägt ist und auch nach Absetzen der Acetylsalicylsäure irreversibel für die gesamte Lebensdauer der Thrombozyten (5-12 Tage!) erhalten bleibt.

Seltene, aber lebensbedrohliche Nebenwirkungen von Metamizol sind die Agranulozytose sowie Überempfindlichkeitsreaktionen. Diese Nebenwirkungen treten auch bei Patienten auf, die Metamizol zuvor problemlos angewendet hatten.

Teilweise werden Kombinationspräparate angeboten, die mehrere der o.g. Wirkstoffe enthalten oder den Zusatz Coffein. Gegen solche Präparate spricht: Weshalb mehrere Wirkstoffe nehmen und damit mehr Nebenwirkungen riskieren, wenn einer ausreicht? Gegner des Coffeinzusatzes machen geltend, dieser würde die Entwicklung gefährlicher Nebenwirkungen, insbesondere des Medikamentenkopfschmerzes fördern. Für den Zusatz von Coffein hingegen sprechen ein beschleunigter Wirkungseintritt des Hauptwirkstoffes sowie eine Wirkungsverstärkung. Eine Kombination von z.B. Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Coffein (wie am Markt etabliert) kann durchaus angezeigt sein, wenn mit einer akzeptablen Wirkstoffmenge der Einzelbestandteile als Monopräparat keine ausreichende Wirkung erzielt werden kann (red23/07-2012,05-2009).

WARNUNG

Angaben ohne Gewähr, Berichtigungen willkommen.

Diese Informationen ersetzen nicht den Besuch beim Arzt oder Apotheker.

 Leave a Reply